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On the Road again!

Wie lange haben wir auf diesen Moment gewartet? Endlich wieder auf Tour zu gehen. Die Stadt hatten wir langsam satt und so konnten wir es kaum erwarten, unser Gepäck in den Mietwagen zu laden. 
Noch am ersten Tag fuhren wir über windige Straßen an den Strand von Piha. Dort beobachteten wir die Surfer von den Dünen aus. Endlich durfte man wieder ins Wasser - was lange Zeit während des Lockdowns verboten war. Es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl, die Freiheit zu spüren, sich uneingeschränkt bewegen zu dürfen und wieder auf der Straße zu sein.

Mit Tacos von einem Imbiss stärkten wir uns für die Weiterfahrt. Wir entschieden uns, die kommenden Nächte in einem kleinen Küstenort zu verbringen, um nach der Zeit in der Großstadt erst mal durchatmen zu können. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten genossen wir einen Abend in einem Restaurant, bummelten durch Geschäfte, waren in den Wäldern unterwegs und surften - oder zumindest versuchten wir es mal wieder:-)

In Raglan hatten wir so entspannte Tage bei Ste'en und Tonya, dass wir beschlossen hatten, möglichst bald wieder zurückzukommen.

In New Plymouth weiter im Süden mieteten wir uns für mehr als eine Woche in einer kleinen Wohnung im "Ducks & Drakes" ein und machten es uns hier gemütlich. Diese Unterkunft mit ihren netten und bemühten Gastgebern können wir absolut empfehlen, obwohl sie schon etwas in die Jahre gekommen ist. Die Kleinstadt punktete mit vielen netten Cafés und Restaurants. Mit Rädern klapperten wir die Küstenstraße ab oder unternahmen verschiedene Ausflüge entlang des "Surf Highways" und im Taranaki National Park. Wir kletterten Wasserfälle hinaus und wanderten in den "Goblin Forests" - wilde Wälder, wie man sie aus Deutschland nicht kannten.

Für Christoph ging es früh morgens bei eisigen Temperaturen in der Dunkelheit auf den Mount Pouakai. Dort hatten man einen tollen Blick auf den beeindruckenden Mount Taranaki, der sich dort sogar in einem kleinen See an manchen Tagen spiegelt. Glücklicherweise erwischte er einen solchen Morgen. Die ersten Sonnenstrahlen ließen die gefrorene Oberfläche des Tümpels auftauen und dann konnte man in Ruhe darauf hinlos knipsen.

Unterwegs ins Landesinnere in das kleine, aber schöne Kaff "Feilding", spürten wir wieder die Herzlichkeit der Neuseeländer. Ob in der Buchhandlung oder im Museum, die Leute war sehr interessiert und offen und sichtlich froh, dass wieder Touristen unterwegs waren. Tage später waren wir in Taupo. Mit viel Glück ergatterten wir noch ein Zimmer, da der vorab gebuchte Unterkunft ein Systemfehler unterlief und uns ein Zimmer angeboten wurde, obwohl diese Pension längst dicht gemacht hatte. In Taupo war deutlich mehr los. 

Den Trubel im Hostel umgingen wir, da wir oft schon sehr früh auf Achse waren. Per Boot schipperten wir bei Eiseskälte zu einer Felswand, auf der ein riesiges Maori-Kunstwerk in den Stein gemeißelt wurden. Mit heißem Tee und Blaubeermuffins wurde an Bord die Kälte vertrieben. Ein weiteres Highlight war der Besuch des Tongario Nationalparks nahe Taupo - einem der ältesten Nationalparks der Welt. Hier marschierten wir am Fuße des "Schicksalbergs" aus Herr der Ringe zu einem Wasserfall und genossen das tolle Wetter und den Ausblick auf die schneebedeckten Gipfel und umliegenden Vulkankrater. 

Vom winterlichen Taupo führte uns der Weg an die wärmere Bay of Plenty nach Tauranga. Hier hatten wir alle Hände voll damit zu tun, erneut unseren Rückflug zu organisieren, da dieser wieder storniert wurde. Doch im Reisebüro half man uns weiter. Fast eine ganze Woche verbachten wir in dem schönen Städtchen Whakatane. Dort hatten wir ein kleines Häuschen nur wenige Meter vom endlosen "Ohope Beach" entfernt. Wen es mal nach Whakatane verschlägt, der darf sich keinesfalls die leckeren Croissants in der "L' Epicerie" entgehen lassen. Ebenfalls absolut zu empfehlen ist der "Nga Tapuwae o Toi Trail", ein Wanderweg entlang der Steilküste, den man allerdings nur bei Ebbe laufen kann. Zwar ist der Weg sehr anstrengend, doch man bekommt tolle Ausblicke geboten, wie z.B. auf "White Island". Diese sehr aktive Vulkaninsel erlangte 2019 traurige Berühmtheit, als bei einem unerwarteten Ausbruch, 17 Touristen ihr Leben verloren. In der Abenddämmerung kann man in Ohope auch einem Weg folgenden, bei dem man in der Dunkelheit Glühwürmchen sehen und Kiwis schreien hören kann. Im Schein der Taschenlampe zeigen sich mit Glück auch die Wetas, große heuschreckenartige Insekten. Lecker ;-)

 

Nach dem etwas längeren Aufenthalt in der Bay of Plenty fuhren wir auf einsamen Straßen weiter an die Ostküste nach Gisborne. In Gisborne, so sagt man, beginnt der Tag für die Welt. Nirgendwo sonst auf der Erde kann man aufgrund der Zeitzonen so früh den Tag begrüßen. Logisch, dass wir uns den Wecker stellten, um rechtzeitig am Strand zu sein, sobald die ersten Sonnenstrahlen sich blicken ließen. Ein herrlicher Moment. In dem netten Ort übernachtetet wir in einem schönen AirBnB mit Gartenblick. Allerdings war es dort selbst tagsüber so kalt, dass der kleine Heizlüfter kaum Abhilfe schaffte und wir nachts unter drei bis vier Decken schlafen mussten. Trotz der nahenden Unterkühlung kosteten wir die Zeit in Gisborne aus. Mit Strandspaziergängen, Cafébesuchen und Wanderungen in herbstlichen Wäldern füllten wir unsere Tage. Mittlerweile durfte man in Neuseeland auch wieder ganz normal in Restaurants essen gehen, ein Gefühl, dass wir in Deutschland nach unserer Rückkehr wohl so noch nicht haben werden. Mit einem Highlight verabschiedeten wir uns von Gisborne. In Watthosen ging es bei Ebbe ins knietiefe Wasser - angeführt von unserem Guide Jamie, auf der Suche nach der Meeresgottheit der Maori, dem Stachelrochen. Tatsächlich waren wir auch schon nach kurzer Zeit umringt von ein paar Adlerrochen und einem kleinen Stachelrochen. Ehrfürchtig und natürlich leicht ängstlich verharrten wir stocksteif im Wasser, während die absolut friedlichen Rochen immer wieder neugierig an unseren stießen. Bevor wir uns zurück ans Land aufmachten tauchte ein mehr als 200kg schweres Stachelrochen-Weibchen auf. Der Koloss war sehr vertraut mit dem Guide und - was völlig verrückt klingen mag - wollte sich immer wieder an Jamie hinauf aus dem Wasser schieben. Ein irrer Anblick.

Wieder um ein unvergessliches Abenteuer reicher, verließen wir Gisborne und machten Halt im Landesinneren Rotorua. Normalerweise ist dieser Ort der reinste Touristen-Hotspot, doch in Corona-Zeiten trafen wir hier auf unseren Erkundungstouren auf nur wenige Touris, die Hostelküche hatten wir sogar nahezu für uns allein.

Noch vor dem Lockdown besuchten wir bei Rotorua die Redwoods - da uns dieser Wald so gut gefallen hatte, begaben wir uns nun auch wieder auf einen der Trails, die sich zwischen den riesigen Bäumen hindurch schlängeln.

Für die letzten Tage auf unserer fast einjährigen Reise entschieden wir uns, zurück ins entspannte Raglan zu reisen und mieteten uns wieder bei Ste'en und Tonya ein. An der Westküste ließen wir es ruhig angehen, besuchten einen Markt, bummelten durch die kleinen Geschäfte und machten Rast in den Cafés und Restaurants dieses schönen und zugleich sehr authentischen Orts. Hier gibt es keine Restaurantketten und nur kleine lokale Geschäfte. An den Stränden der Steilküste ließen wir im Sonnenuntergang unsere Reise ausklingen. Schweren Herzens kehrten wir Neuseeland den Rücken und machten uns auf den Heimweg, doch zumindest ein bißchen machte sich auch schon die Vorfreude auf unsere Familien und Freunde und unser Leben in Hamburg breit.

 

Wir sind unglaublich dankbar, dass wir diese lange Reisen antreten durfte.  - eine unvergesslich schöne Zeit, die vollgepackt war mit tollen Begegnungen, Erlebnissen und Abenteuern. Eine Zeit die uns über Südamerika nach Nord- und Mittelamerika führte und dann Down-Under nach Neuseeland. Zwar mussten wir aufgrund von Covid einige unserer Pläne über Bord werfen, doch wurde uns so die Chance geboten, tiefer in das Leben in Neuseeland einzutauchen. Fast fünf Monate waren wir am anderen Ende der Welt, wo es uns so gut gefiel, dass wir jederzeit wieder hier hin zurückkehren würden.

 

Längst sind wir beide uns einig, dass das nicht unser letztes Sabbatjahr gewesen sein sollte :-)

Hinweis: Wir bekommen weder Provision noch sonst etwas für die genannten Dinge. Was uns überzeugt, teilen wir einfach gerne mit euch.

- Neuseelands Nordinsel -