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Wild Wild West

Nach unserer mehr als aufregenden Anreise in die USA sollte unser Abenteuer hier in Las Vegas beginnen. Unser Hotel buchten wir noch in Quito, aber dieses Mal über einen Anbieter, bei dem man nur gewisse Hotelkategorien wie Anzahl der Sterne oder Lage auswählen kann. Erst nach dem Buchungsvorgang bekommt man dann ein entsprechendes Hotel zugelost. Ganz schön aufregend, vorallem wenn man eher zur weniger spontanen Sorte von Mensch gehört, wie Christoph. Doch wir landeten einen Volltreffer. Die ersten beiden Nächte verbachten wir in einem Zimmer im 21. Stock (!!!) des Stratosphere Hotels. Mega beeindruckend, aber wir hielten auch respektvollen Abstand zur Fensterfront.

Unser Plan war es, in Las Vegas die Reisekasse aufzupolieren. Ganz easy wollten wir erst einmal beim Roulette unsere Jetons verdoppeln, damit wir gleich mal unseren Einsatz wieder raus haben. Also: Mit Dollarzeichen in den Augen stürtzen wir uns ins Nachtleben... Aber wer hätte gedacht, dass die Roulette-Kugel nicht das tut, was sie soll. Und wer konnte auch wissen, dass der Mindesteinsatz gleich so hoch wie unser eingeplantes Budget ist?! Naja, nach ungelogenen 50 Sekunden war somit unser Casinoabenteuer vorbei. 

Trotzdem erlebten wir in dieser absolut verrückten Stadt zwei spannende Tage, bevor wir unseren Campervan abholten und damit unseren Roadtrip durch den Südwesten der USA starteten. Obwohl unser Van mächtig in die Jahre gekommen war, verliebten wir uns schnell in diese Art des Reisens. Von der Freiheit hinzufahren, wohin wir wollen, zu bleiben, solange wir wollen und dabei Sack und Pack einfach immer dabei zu haben, waren wir schnell begeistert - nicht zuletzt aber auch von den teilweise unglaublich toll gelegenen Campingplätzen.

Die zweite Nacht im Camper verbrachten wir bereits mitten in den Wäldern des Grand Canyon Nationalparks. Tagsüber wanderten wir an den beeindruckenden Schluchten entlang und beobachteten, wie sich die Farbe der Felswände mit dem Sonnenlicht färbte. Beim Anblick dieser atemberaubenden Kulisse fühlt man sich wahnsinnig klein. Doch es wurde noch besser. Nachmittags kamen wir mit einem Ranger ins Gespräch, der früher in der Army in Berlin stationiert war. Ohne, dass er uns wirklich kannte, stellte er uns einfach eine Erlaubnis aus, nachts für die Öffentlichkeit gesperrte Abschnitte entlang des Canyons besuchen zu dürfen...einfach so. Dank ihm erlebten wir einen der tollsten Momente der Reise überhaupt... Völlig abgeschieden hatten wir dadurch nachts den Grand Canyon ohne all die Menschenmassen wirklich ganz allein für uns und dazu einen irren Sternenhimmel bei dem man sogar die Milchstraße mit dem bloßen Auge erkennen konnte. Für dieses Erlebnis sind wir unglaublich dankbar.

Es ist schon verrückt, wir haben Orte bereist, vor denen uns Menschen warnten, dass es gefährlich sei, dass es fast unmöglich wäre sich zu verständigen oder dass die Menschen sich für etwas Besseres halten würden - an all diesen Orten, an jedem Ort an dem wir bisher waren, haben wir nur hilfsbereite, nette und offene Menschen getroffen, die sich viel Zeit für uns nahmen.

Nun ja, nach zwei Nächten im Grand Canyon ergatterten wir einen Stellplatz mit Lagerfeuer und Seeblick am Lake Powell. Tagsüber war es hier so heiß, dass wir trotz Sandsturm versuchten, im See zu baden. Außerdem besuchten wir den bekannten „Horseshoe Bend“ und wurden von Stammesmitgliedern der Navajo durch den Canyon X geführt – den oberen Abschnitt des Antelope Canyon. Ein irrer Anblick, wie das Licht durch die Felsspalten fällt und den Stein in die unterschiedlichsten Rottöne färbte.

Wieder nach zwei Nächten ging es über das Monument Valley, durch das wir auf Sand- und Staubpisten mit unserem Van bretterten, weiter ins ar$*#kalte Utah. Mit alten Zeitungen klebten wir die Scheiben unseres Vans ab. Nun sah unser Gefährt so aus, wie die Autos aus Filmen, in denen immer Leute entführt werden, doch wir erhofften uns etwas mehr Wärme im Inneren. Außerdem statteten wir uns mit weiteren Decken aus. Nichtsdestotrotz verbrachten die Nächte in voller Montur und diejenigen von uns mit etwas weniger Haupthaar mussten sogar mit Wollmütze schlafen.

Aber Utah war diese Torturen wert. Im Arches Nationalpark bestaunten wir die riesigen Sandsteinbögen und im Umland gingen wir auf Dinosaurier-Spurensuche. Im Zion Nationalpark wanderten wir auf dem Grund einer Schlucht entlang eines Flusse – im Gegensatz zum Grand Canyon war hier alles Grün.

Unser letzter Stopp war gleichzeitig einer unserer Höhepunkte.

Im Valley of Fire campierten wir im Nirgendwo. Unseren Campingplatz teilten wir mit mehr Streifenhörnchen als Menschen. Abends ließen wir die Eindrücke von unseren Wanderungen durch diese bizarre und karge Landschaft am Lagerfeuer auf uns wirken, während in der Ferne Coyoten heulten. In der Einfachheit des Campens haben wir sehr viel Entspannung gefunden.

So war der letzte Abend in Las Vegas, nachdem wir schweren Herzens unseren Van abgegeben haben, wieder ein totaler Kontrast.

Die USA hatten wir für unser Sabbatjahr nicht wirklich auf unserem Zettel, doch der dreizehntägige Roadtrip war ein Highlight und so sind wir froh, dass wir unseren USA-Trip noch weiter in Kalifornien fortsetzen können.

Hinweis: Wir bekommen weder Provision noch sonst etwas für die genannten Dinge. Was uns überzeugt, teilen wir einfach gerne mit euch.

- Südwest USA -