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Another one bites the dust

Das erste große wirkliche Abenteuer stand an! Schon lange freuten wir uns auf unsere geführten Safaris im Pantanal, dem riesigen Feuchtgebiet im Südwesten Brasiliens.

Ausgerechnet zu unserer Reisezeit sollte die Wahrscheinlichkeit, hier einem Jaguar zu begegnen, viel höher als sonst sein, was unsere Vorfreude noch mehr stärkte.

Nach einem circa vierstündigen Flug von Rio aus erreichten wir dann die Stadt Cuiabá, das Tor zum Pantanal. Während unserer Tag zuvor in Brasilien stieg aber unsere Besorgnis, da wir mit Zeitungsschlagzeilen wie "Cuiabá - die Stadt der Feuer"  usw. aufgrund der heftigen Waldbrände in Brasilien, konfrontiert wurden. So reisten wir (zumindest Christoph) relativ angespannt an. Als wir dann bei der Ankunft erfahren haben, dass bei unserer eigentlichen Unterkunft das Dach eingestürzt war und wir deswegen in ein sehr schmuddeliges Hotel umquartiert wurden, wurde unsere Unruhe nicht weniger.

Naja dafür hatten wir einen wirklich netten Fahrer, der uns am nächsten Morgen tiefer ins Pantanal mit seinem Caddy fuhr. Der Fahrer an sich war schon die erste Highlight. Mit seinen fast 90 Jahren, seinem wackligen Gang und seinem sonst schleichenden Fahrstil auf geteerten Straßen, entdeckte er auf der unbefestigten Straße wohl seine Begeisterung für das Rallye-Fahren. Während der gesamten vierstündigen Fahrt erzählte er uns Dinge über Gott und die Welt, dabei störte es ihn auch nicht, dass wir kein Wort verstanden. Hier lernten wir auch schon die anderen Reiseteilnehmer kennen, mit denen wir uns auf Anhieb super verstanden. Feuer sahen wir zu diesem Zeitpunkt noch keine (Tage später dann doch) , aber der Horizont war grau verhangen und es roch nach Rauch.

 

Mittags erreichten wir eine Rinderfarm, wo wir unser Mittagessen einnahmen und auf unserer Guide für die Safaris trafen. Luiz war ein waschechter Naturbursche. In seinen hohen Stiefeln, seiner Machete und der umgehängten Axt strömte er schon dieses Abenteuer-Feeling aus. Nach einem typisch brasilianischen Mittagessen mit Pão de quejio - das sind Käsebällchen, die es oft auch schon zum Frühstück gibt oder den Bohneneintopf Feijoado, zu dem Fleisch und Reis serviert werden uuund, was wir sehr lecker fanden, Farofa. Das ist geröstetes Mehl aus der Maniok-Wurzel mit Bananen.

Als es nach dem Mittagessen hieß, die restlichen 5 Stunden Fahrt verbringen wir auf der Pritsche eines LKWs, glaubten wir es, es handelte sich um einen Spaß. Doch unser Gepäck wurde in eine Plane gewickelt und unter den auf der Ladefläche montierten Bänken verstaut. Nun mussten wir auch noch den Fußraum mit unserem Gepäck und dem Ersatzreifen teilen...

Während der Fahrt wurden wir ordentlich durchgeschaukelt, doch schon von unterwegs konnten wir die ersten Tiere wie Cabybaras, Störche oder Kaimane erspähen. Zu dem mittlerweile sehr beanspruchten Bandscheiben und in Mitleidenschaft gezogenen Sitzfleisch kam erschwerend hinzu, dass die Piste auf der wir fuhren extrem trocken war und innerhalb kürzester Zeit komplett mit Staub überzogen waren. Selbst bei unseren eingewickelten Rucksäcken mussten wir noch Tage später den Staub herausklopfen. Als es langsam Nacht wurde schützten wir uns mit Sonnenbrillen gegen aufprallende Insekten, die mit voller Wucht bei Tempo 40 an unseren Kopf donnerten. Erleichtert erreichten wir in der Dunkelheit unsere Unterkunft am Ende der Transpantaneira. Hier in Porto Jofre ist man tatsächlich in der Mitte von Nirgendwo. Selbst die Straße endet hier. Doch unsere Bleibe war sehr sauber, das Essen war ebenfalls bestens. 

Diese Strapazen bei der Anreise waren es wert, was wir am kommenden Tag erlebten, werden wir wohl nie vergessen.

Früh morgens ging es mit Sonnencreme und Insekten-Spray bewaffnet, mit einem kleinen 10-Mann-Boot los. Apropos Insekten-Spray... lange haben wir uns beraten lassen und schließlich ein megateueres gekauft. Trotzdem zählten wir innerhalb kürzester Zeit an unserem Körper mehr als 30 juckende Stiche. 

Auf unserer ganztägigen Bootssafari sahen wir gleich zahlreiche Kaimane in allen Größen, Capybara-Familien und unzählige Vögel. Gerade als wir dachten, dass wir wohl keinen Jaguar zu Gesicht bekommen würden, ließ Luiz das Boot beschleunigen. Über Funk wurde im mitgeteilt, wo gerade eine dieser Raubkatzen am Ufer erschienen ist. Fast wären wir dabei an dem ersten Jaguar vorbei gerauscht und wir konnten das Boot gerade noch rechtzeitig stoppen. Nur für Sekundenbruchteile blickte uns das Tier direkt an, ehe es im Schilf verschwand. Atemberaubend.

Doch das sollte nur der Anfang werden. Im Laufe des Tages konnten wir noch ein Jaguarpärchen bei der Beutesuche minutenlang beobachten, oder uns weiteren Exemplaren bis auf 10m mit dem Boot nähern. Luiz konnte uns in perfektem Englisch viel über die Tierwelt erzählen, da konnten wir auch locker darüber hinweg sehen, dass dieser bereits mittags 5 Dosen Bier getrunken hatte. "Eine alte Maschine muss geschmiert werden!". Als wir uns spätnachmittags, völlig durchgeschwitzt und erschöpft durch die Hitze auf den Rückweg machten, schrie Lisa auf einmal auf. Vor uns schwamm im Fluss ein junger Jaguar. Wir konnten in minutenlang ganz ungestört beobachten... keine anderen Safariboote weit und breit, kein Dauer-Klicken dutzender Kameras. Das war ein unglaublicher Moment. 

Am Ende des Tages hatten wir tatsächlich 8 verschiedene Jaguare gesehen und wir fielen zufrieden ins Bett. Dann ging es nämlich wieder mit dem LKW (wohlgemerkt war das das neuste Modell des Tour-Anbieters) zurück zu der Rinderfarm des ersten Tages. Wir merkten langsam, wie wenig Lust wir mittlerweile auf Sitzen und Fahren hatten. Doch es stand für den Nachmittag und Abend noch eine Kanutour und eine Nachtsafari an. Erst waren wir wenig motiviert, doch spätestens als wir zwei Tapire und einen Ameisenbären sehen durften, waren wir wieder begeistert. 
Die Nacht war etwas unruhig, da wir uns unser Schlafzimmer mit diversen Tieren wie Fröschen teilen mussten. Bevor wir uns wieder auf den Weg nach Cuiabá machten, sattelten wir noch die Pferde. Luiz war nämlich ein Pferdenarr und so ritten wir noch durch das steppenähnliche Areal der Ranch, das übersät war von Termitenhügeln - Cowboyfeeling garantiert. Nach diesem schönen Abschluss gönnten wir uns ein 4-Sterne Hotel und versuchten unter der Dusche den Staub von uns zu spülen.

 

Unser nächstes Ziel weiter im Norden erreichten wir per Bus. Lange war uns nicht klar, ob wir aufgrund der Waldbrände überhaupt Bom Jardim bereisen konnten, doch alles klappte problemlos. Dort lebten wir in einer schönen Pousada und machten Ausflüge in die Gegend, die bekannt für kristallklare Flüsse war. Highlights waren hier das schnorcheln in einem dieser Flüsse, der sich durch den Dschungel zog. Unter Wasser eröffnete sich eine fast mystische Welt aus Baumstämmen und Palmzweigen in denen zahlreiche, fast 50cm große Fische und auch Rochen lebten. Über unseren Köpfen tobten Affen in den Bäumen. Am letzten Abend saßen wir an einer Lagune. Hier flogen pünktlich zum Sonnenuntergang zig Aras ein und lieferten ein lautstarkes und zugleich wunderschönes Spektakel.

Das war ein absolut gelungener Abschluss unseres fast vierwöchigen Aufenthalts in Brasilien.

 

Brasilien erlebten wir als unglaublich vielseitig. Klar hatten wir unsere Tiefs, was zu jeder Reise gehört, aber dieses Land und seine Leute haben uns wirklich sehr fasziniert. Wir haben die verschiedensten Facetten kennengelernt und die unterschiedlichsten Landschaften gesehen: Strände, Städte, Inseln, kleine, ursprüngliche Dörfer, Regenwälder und das Pantanal. Brasilien hat irre viel zu bieten. Wir waren beeindruckt von der Freundlichkeit der Menschen und ihre unendliche Geduld, wenn wir Verständigungsschwierigkeiten hatten. Am letzten Tag zeigte sich nochmal die Gastfreundschaft der Brasilianer. Wir wollten in einem kleinen Bistro nur einen weiteren Kaffee nachbestellen, was darin endete, dass uns der Besitzer voll Feuer und Flamme Kostproben von seinem gesamten Kaffeesortiment gab und uns typische Kuchen probieren ließ - alles, ohne einen Cent oder besser gesagt Real dafür haben zu wollen. Und diese Herzlichkeit werden wir garantiert in Erinnerung behalten!

Obrigado Brasil!

Hinweis: Wir bekommen weder Provision noch sonst etwas für die genannten Dinge. Was uns überzeugt, teilen wir einfach gerne mit euch.

- Pantanal -